Das Vorkommen von sieben ausgewählten Neophyten in der Stadt Halle (Saale)

  • Martin Tiebe Flughafen Hamburg GmbH, Archivstraße 18, 21682 Stade
  • Christine Fürst Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Geowissenschaften und Geographie, Fachgebiet Nachhaltige Landschaftsentwicklung, Von-Seckendorff-Platz 4, 06120 Halle
  • Monika Partzsch Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Biologie/Geobotanik und Botanischer Garten, Am Kirchtor 1, D-06120 Halle (Saale)

Abstract

Die Ausbreitung von Neophyten stellt ein zunehmendes Problem sowohl im innerstädtischen Raum als auch in siedlungsfernen Bereichen dar und geht häufig einher mit einer gesundheitlichen Gefährdung für Mensch und Tier. Deshalb war es wichtig, den aktuellen Neophytenbestand in der Stadt Halle (Saale) zu erfassen. Dazu wurden eine neue Kartiermethode mit der flächengenauen Registrierung der Fundpunkte von sieben verschiedenen Neophytenarten (Ailanthus altissima, Ambrosia artemisiifolia, Fallopia-bohemica, F. japonica, F. sachalinensis, Heracleum mantegazzianum, Solidago canadensis) mit der Smartphone-App „GPS Tour“ durchgeführt und in Verbreitungskarten übertragen. Folgende Daten wurden erfasst: Anzahl, Größe und Entwicklungszustand der Individuen sowie die potentielle Gefährdung von naturnahen Habitaten und die potentielle gesundheitliche Gefährdung des Menschen. Insgesamt wurden 4.784 Fundorte der Neophyten in der Stadt Halle (Gesamtfläche 39,9 km²) aufgenommen und deren Verbreitung in den verschiedenen Bezirken analysiert, da diese sich durch unterschiedlich alte und dichte Bebauung und Industrieansiedlungen unterscheiden. Am häufigsten wurde S. canadensis mit ca. 33.700 Fundpunkten und A. altissima mit 12.030 Fundpunkten registriert, wobei der Götterbaum in der Vergangenheit auch als robuster Straßenbaum bewusst angepflanzt worden ist. Die Anzahl der Vorkommen der anderen Neophyten lag deutlich darunter (zwischen 26 und 101 Fundpunkten), wobei H. mantegazzianum mit nur 9 Vorkommen die seltenste Art war, wohl aufgrund ihrer aktiven Bekämpfung. Generell zeigten die Neophyten eine unterschiedliche Verteilung bezogen auf die einzelnen Stadtbezirke. Eine Gefährdung der naturnahen Vegetation durch die Agriophyten F. japonica und F. sachalinensis ist in den NSG Forstwerder und Rabeninseln angezeigt, wo eventuell durch Bekämpfungsmaßnahme eine weitere Ausbreitung verhindert werden sollte. Eine gesundheitliche Gefährdung des Menschen kann durch A. artemisiifolia und H. mantegazzianum angenommen werden, aber durch die sehr geringe Anzahl an Fundpunkten ist dies eher unwahrscheinlich. Bei A. altissima ist die allergene Wirkung des Pollens umstritten. Generell bildet die vorliegende Datensammlung eine gute Basis, um die zukünftige Entwicklung der Neophytenbestände genau zu verfolgen und eine Bewertung zur Ausbreitung bzw. zum Rückgang der untersuchten Neophyten vornehmen zu können.

Veröffentlicht
2019-08-21
Rubrik
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