Der historische Gartentisch des Reformators Philipp Melanchthon in Wittenberg

Gerhard Bachmann, Walter Glässer

Abstract


Philipp Melanchthon (*1497–1560) war neben Martin Luther der bedeutendste deutsche Reformator und dessen enger  Mitarbeiter und Vertrauter. Ein großer Steintisch im Garten des Melanchthon-Hauses gilt als eines der wenigen überlieferten originalen Möbelstücke aus dem Besitz des Reformators. Seine Beschaffenheit und Herkunft waren jedoch unbekannt. Die Platte des historischen Melanchthon-Tischs mißt etwa 145 x 100 x 5,5 cm im Oval und besteht aus Garbenschiefer mit muskovitreicher Grundmasse und ungeregelten schwarzen Mineralneusprossungen auf den Schieferungsflächen. Diese sind bis 6 x 1 cm groß, meist gerade, seltener gekrümmt, verzweigt,
sich gegenseitig überlagernd, x- oder kreuzförmig. Gelegentlich flasern ihre Enden garbenartig auf. Zusätzlich treten mm-große Mineralneusprossungen auf. Ursprünglich waren die  Neusprossungen wohl Staurolithkristalle, welche pseudomorph in dunklen Glimmer umgewandelt wurden. Sehr wahrscheinlich handelt es sich bei der ungewöhnlich großen Tischplatte um „Wechselburger Schiefer“ aus dem inneren Schiefermantel des Granulitgebirges in Sachsen. Leider gibt es keine Dokumente, ob und wie der Tisch in Melanchthons Besitz kam; vermutlich handelte es sich um ein wertvolles Geschenk an den Reformator. Die gereinigte und restaurierte Platte ist jetzt zu ihrem Schutz an einer Wand im Flur des Melanchthon-Hauses angebracht. Kleinere Platten von Wechselburger Garbenschiefer wurden auch im Naumburger Dom und in der Wallonerkirche von
Magdeburg als Dekorsteine verwendet.


Philipp Melanchthon (*1497-1560) was, apart from Martin Luther, the most important German reformer and Luther’s close  associate and confidant. A large stone table in the garden of Melanchthon House is considered one of the few surviving  original pieces of furniture he possessed. However, the table’s nature and origin are unknown. The oval plate of the historic Melanchthon table measures about 145 x 100 x 5.5 cm and consists of garbenschiefer (fascicular schist) with a matrix rich in
muscovite and black, irregular crystal pseudomorphs on the foliation surfaces. The pseudomorphs are up to 6 x 1 cm, mostly straight, rarely curved, branched, superimposed, x- or cross-shaped. Additionally, there are small mm-sized pseudomorphs. The minerals were likely originally of staurolite, which was converted into pseudomorphic dark mica. Most  probably the plate consists of garbenschiefer of the Wechselburg area in Saxony, part of the metamorphic rocks encasing ultrametamorphic granulites. Unfortunately, there are
no documents as to whether or how the table came to be in Melanchthon’s possession; possibly it was a valuable gift to the famous reformer. To protect the plate it is now mounted against a wall in the hallway of Melanchthon House. Smaller plates of Wechselburg garbenschiefer were also used as decorative stones in Naumburg Cathedral and in the Wallonian Church of
Magdeburg.


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Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg | Hallesches Jahrbuch für Geowissenschaften

P-ISSN 1432-3702, E-ISSN 2196-3495