Planktonforaminiferen aus dem Obereozän und Unteroligozän der Bohrung Loburg 1/90 (Sachsen-Anhalt, Deutschland)

Michael Schudack, Klaus Nuglisch

Abstract


Aus der Bohrung Loburg 1/90 im nördlichen Sachsen- Anhalt (Deutschland) werden die Planktonforaminiferen des Obereozän bis Unteroligozän beschrieben und ausgewertet. Die Bohrung liegt am SE-Rand des Nordseebeckens, nordöstlich des Wittenberger Abbruchs. An dieser Störung erfolgte im Paläogen eine deutliche (relative) Absenkung, wodurch nordöstlich des Abbruchs größere Mächtigkeiten des Obereozän/ Unteroligozän vor der Abtragung während der Erosionsphase im späteren Oligozän erhalten blieben. Es werden etwa 85 Arten von Planktonforaminiferen bestimmt, eine Anzahl davon in offener Nomenklatur, was auf den z. T. endemischen Charakter der Fauna hinweist. Bemerkenswert ist das relativ häufige Auftreten von Dipsidripella in den Oberen Schönewalder Schichten (OS). Die oberen OS, etwa 24 m mächtig, lassen sich in die Kalknannoplankton-Zonen NP21 und „NP22“ und die Dinoflagellaten-Zone D12nc einstufen (Köthe 2009). Nach Planktonforaminiferen gehören die OS unter gewissem Vorbehalt in die Zonen E14-16 und O1 (sensu Berggren & Pearson 2006). Diese Einstufung basiert auf dem vereinzelten Auftreten von entsprechenden Leitformen aus der tropischsubtropischen Region (Globigerinatheca semiinvoluta, G. index, „Hantkeninen“). Die Einstufung in die Zone E16 und damit die Grenzziehung Eozän/Oligozän erfolgt nach dem letzten Auftreten von Turborotalia cerroazulensis und „Hantkeninen“ allgemein, gestützt durch das erste Auftreten von Subbotina tapuriensis, die Einstufung in die Zone O1 (Unteroligozän) nach dem letzten Auftreten von Pseudohastigerina micra. Die Eozän/Oligozän-Grenze fällt somit in Loburg in den höheren Abschnitt der OS und den höheren Abschnitt der NP21. Diese Grenzziehung muss allerdings durch weitere Untersuchungen an anderen Bohrungen im nördlichen Sachsen-Anhalt und südlichen Brandenburg getestet werden. Die Abfolge der Zonen entspricht der in niederen Breiten, das letzte Auftreten der Leitformen ist jedoch zeitlich verschoben: G. semiinvoluta und G. index noch in der Zone NP21, letztes Auftreten von T. cerroazulensis und „Hantkeninen“ erst in der höheren NP 21. Die OS werden im Hangenden nicht durch eine biostratigraphische Grenze, sondern durch eine Erosion begrenzt. Nach sequenzstratigraphischer Analyse (Schudack & Nuglisch 2006) fehlen zumindest ein Teil der Maximum Flooding Surface und der Highstand System Tract der OS und damit auch der Zonen O1, D12nc und NP22. Der Rupelbasissand (Rupel 1) gehört nach Köthe (2009) im unteren Abschnitt in die Zone D13; Kalknannoplankton und Planktonforaminiferen fehlen. Der nachfolgende Rupel 2-4 (D14na-b, NP23-24, etwa 260m) lässt sich mit Planktonforaminiferen kaum gliedern und wird insgesamt in die Turborotalia ampliapertura Highest-occurrence Zone (O2) eingestuft, wobei der obere Abschnitt schon in die Globigerina sellii Partial Range Zone und nach der Reichweite von Chiloguembelina cubensis und Tenuitella gemma noch bis in die Zone O4 gehört. Lediglich im oberen Rupel tritt vereinzelt Subbotina brazieri auf.

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Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg | Hallesches Jahrbuch für Geowissenschaften

P-ISSN 1432-3702, E-ISSN 2196-3495