Das CO2-Senkenpotential urbaner Gehölze im Kontext postwendezeitlicher Schrumpfungsprozesse

Sara Vollrodt, Manfred Frühauf, Dagmar Haase, Michael Strohbach

Abstract


Von den urban geprägten Räumen der Erde, die ca.3% der Festlandoberfläche einnehmen, werden nahezu 80% der anthropogen bedingten CO2-Emissionen emittiert. Damit kommt dem Ökosystem Stadt im Kontext der Diskussion um Quellen, aber auch Senken von Treibhausgasen und unter dem Blickwinkel von Mitigation und Adaptation eine Rolle als „Gestalter“ bezüglich der Ursachen und Folgen des Klimawandels zu. Integrierte Klimaschutzkonzepte auf kommunaler Ebene fokussieren diesbezüglich vorrangig die Minderung der jährlichen CO2-Emission. Die natürliche Speicherleistung der urbanen CO2-Senken Boden und Stadtvegetation findet bisher in der Forschung kaum, weniger noch in der (Planungs-) Praxis genügend Beachtung. Für die Erweiterung des Forschungsstandes und einer Ableitung von Empfehlungen für eine klimawandelgerechte Stadtentwicklung untersucht die vorliegende Studie die CO2-Speicherwirkung des integrierten Stadtentwicklungskonzeptes „Waldstadt-Silberhöhe“ in Halle (Saale) - genauer: der forstlichen Renaturierung zahlreicher Abrissflächen. Basierend auf der allometrischen Regression zwischen den Baumgrößen „Durchmesser“ und „oberirdische Holzbiomasse“ wurde aus forstwirtschaftlichen Studien eine Speicherleistung des aktuellen Baumbestandes in der „Waldstadt-Silberhöhe“ von 4.866 t CO2 ermittelt. Bis zum Jahr 2025 werden die Stadtbäume, aufgrund des artspezifischen sekundären Dickenwachstums, insgesamt 14.150 t CO2 absorbieren. Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass in schrumpfenden Städten der Anteil an Grünflächen infolge einer Renaturierung der Abrissflächen steigt und so eine zunehmende Senkenwirkung schafft. Um dieses Potential bei künftigen Pflanzmaßnahmen für eine klimawandelgerechte Stadtentwicklung optimal auszuschöpfen wurden Szenarien mit den Optimierungsfaktoren Bestandsdichte und Auswahl der Baumarten nach Rohdichte und Wachstumsverhalten modelliert. Aus deren Vergleich lassen sich verschiedene Handlungsempfehlungen ableiten, die weitergehende Positivwirkungen für andere Ecosystem- Serviceleistungen nach sich ziehen.

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Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg | Hallesches Jahrbuch für Geowissenschaften

P-ISSN 1432-3702, E-ISSN 2196-3495