Erfolgreiche Ansiedlung der vom Aussterben bedrohten Trugspornzikade Megamelodes lequesnei auf neu angelegten Feuchtflächen in einem südostbayerischen Niedermoor

Autor/innen

  • Herbert Nickel
  • Jochen Späth

Abstract

Mit 12 bekannten Fundorten in Deutschland ist die Trugspornzikade, Megamelodes lequesnei W. Wagner, bundes- und europaweit eine der seltensten Zikadenarten. Sie lebt monophag an Knoten-Binse, Juncus subnodulosus  Schranck, in Kalkflachmooren und Quellrieden, ist mahdintolerant und kommt auf ihrer wesentlich häufigeren Wirtspflanze nur dort vor, wo deren Bestände extensiv beweidet oder zeitweise brachgefallen sind. Daher fehlt sie im konventionell genutzten Grasland wie auch in gemähten Naturschutzflächen oder kommt dort allenfalls reliktär in Randbereichen vor. Da sowohl die Zikade als auch ihre Wirtspflanze an gut auffindbaren und klar abgegrenzten Standorten vorkommen, eignen sich beide Arten gut als Modellsystem der Renaturierungsökologie, zumal sich die Knoten-Binse auf Neuschaffungsflächen oft schnell und dauerhaft etabliert. Im Sommer 2016 wurden von einem Donorstandort im Königsauer Moos bei Dingolfing 4 mal 80 Trugspornzikaden entnommen und auf zwei nahegelegene Rezeptorstandorte übertragen. In den Jahren 2022 und 2023 wurde die Art auf beiden Rezeptorstandorten wiedergefunden, außerdem auch auf zwei weiteren Neuschaffungsflächen, die sie selbständig besiedelt hatte. Weltweit handelt es sich unseres Wissens um das erste Ansiedlungsexperiment mit Zikaden. Obwohl die Wirtspflanze größerflächig vorkam, war die Trugspornzikade auf lineare oder punktförmige Bereiche beschränkt, was ihre Deutung als Mähwiesenflüchter bestätigt. Insgesamt ist die Zikadenfauna im Königsauer Moos aufgrund konventioneller landwirtschaftlicher Nutzung, trotz vieler Wiesen-Vertragsnaturschutzflächen, stark verarmt. Die kleinflächigen Neuschaffungen mit ihrer höheren Feuchte sowie niedermoortypischeren Pflanzenarten zeigen aber, dass großes Regenerationspotenzial besteht. Da die Wiesennutzung derzeit zu großflächig und zu undifferenziert erfolgt und die Trugspornzikade und weitere seltene Zikadenarten im Königsauer Moos als alte Weiderelikte zu deuten sind, empfehlen wir die Einrichtung von extensiven Ganzjahresstandweiden mit Robustrassen von Rindern, Pferden und/oder Wasserbüffeln, ohne Nachmahd und ohne prophylaktische Parasitenbehandlung, verbunden mit einer Anhebung des Wasserstandes. Wie aus anderen Gebieten bekannt, bewirkt eine solche Nutzung eine deutliche Zunahme von Insekten, aber auch Amphibien, Reptilien, Fledermäusen und Vögeln, speziell auch Wiesenbrütern.

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05.06.2024 — aktualisiert am 06.06.2024

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