Intra- und interspezifische Interaktionen in Xerothermrasen zwischen dem dominanten Gras Bromus erectus und der dikotylen Art Linum austriacum

Autor/innen

  • BSc. Biol. Markus Splith Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Biologie/Geobotanik und Botanischer Garten, Am Kirchtor 1, 06120 Halle (Saale)
  • Prof. Dr. Isabell Hensen Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Biologie/Geobotanik und Botanischer Garten, Am Kirchtor 1, 06120 Halle (Saale)
  • Dr. Monika Partzsch Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Biologie/Geobotanik und Botanischer Garten, Am Kirchtor 1, 06120 Halle (Saale)
  • MSc. Biol. Tim Meier Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Biologie/Geobotanik und Botanischer Garten, Am Kirchtor 1, 06120 Halle (Saale)

Schlagworte:

Pflanzliche Interaktionen, funktionelle Merkmale, Relativer Interaktions Index, generative Merkmale, vegetative merkmale

Abstract

Splith, M., Hensen, I., Partzsch, M., Meier, T.: Intra- und interspezifische Interaktionen in Xerothermrasen zwischen dem dominanten Gras Bromus erectus und der dikotylen Art Linum austriacum. - Hercynia N. F. 54/2 (2021): 157 – 179.

Innerhalb der Xerothermrasen interagieren Pflanzenarten in vielfältiger Weise. Die Interaktionen können einen positiven (Förderung) oder negativen (Konkurrenz) Effekt auf Individuen gleicher (intraspezifisch) oder verschiedener (interspezifisch) Arten haben. Diese Interaktionen werden durch die vielfältigen Prozesse des Globalen Wandel beeinflusst, was besonders in den Xerothermrasen spürbar wird, wo limitierte Ressourcen eine entscheidende Rolle für das Wachstum der Arten spielen. Vor allem Gräser, wie Bromus erectus, nehmen in ihrer Dominanz zu und scheinen konkurrenzstärker als Dikotyle zu sein. In dieser Studie wurden die intra- und interspezifischen Interaktionen zwischen B. erectus und Linum austriacum, einer dikotylen Art, untersucht. Dafür wurde ein Freiland-Topf-Experiment nach dem „replacement design“ mit verschiedenen Dichtestufen (Mono- und Mischkulturen) durchgeführt und folgende funktionellen Merkmale erhoben: oberirdische Biomasse, Wuchshöhe, Blattfläche, Blatttrockenmasse, SLA, LDMC, von L. austriacum auch Anzahl der Blütenstände, Kapselanzahl, Samenmasse und Samenfläche. Anschließend wurde zu jedem Parameter der „Relative Interaction Index“ (RII) berechnet. Die funktionellen Merkmale und der RII wurden mithilfe von einfaktoriellen ANOVA‘s und Tukey-Post-Hoc-Tests auf signifikante Unterschiede geprüft. Die Entwicklung der vegetativen Merkmale von L. austriacum zeigte keine signifikanten Unterschiede zwischen der Monokultur und den verschiedenen Mischungen, nur die generativen Merkmale Kapselanzahl und Samenfläche waren in der Monokultur signifikant höher und sanken mit steigender Anzahl von B. erectus-Individuen in den Töpfen. Bei B. erectus war nur eine signifikante Zunahme der Biomasse mit abnehmender Anzahl der Grasindividuen im Topf nachweisbar. Die Interaktionen bezüglich der vegetativen Parameter von L. austriacum lagen mehr oder weniger im neutralen Bereich, nur bei der Anzahl der Kapseln wurde ein signifikant negativer Effekt deutlich, wobei der Konkurrenzdruck auf L. austriacum mit zunehmender Grasdichte in den Töpfen anstieg. Bei B. erectus ergab sich ein starker Konkurrenzdruck auf die Biomasse vor allem in der Monokultur, der allerdings in den Mischungen mit abnehmender Grasdichte signifikant geringer wurde. Das zeigt, dass durch verstärkte intraspezifische Konkurrenz eine Selbstlimitierung von B. erectus entstehen kann. Generell ist das Ausmaß der Interaktionen zwischen L. austriacum und B. erectus als relativ gering einzuschätzen. Die Ergebnisse der Studie zeigten jedoch deutlich negative Effekte von B. erectus auf die Fitness von L. austriacum, was längerfristig die Populationsdichte von L. austriacum in den Xerothermrasen negativ beeinflussen kann. Um einen eventuellen Verlust an Phytodiversität durch expandierende Gräser entgegenzuwirken, sollte die traditionelle Beweidung der Xerothermrasen wieder eingeführt bzw. fortgesetzt werden.

 

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Veröffentlicht

16.12.2021