Ichnotaxonomie und Klassifikation von Tetrapodenfährten aus dem Perm

Autor/innen

  • Hartmut Haubold

Abstract

Ausgehend von dem Verständnis von Ichnofossilien werden die Grundlagen zur Taxonomie und Klassifikation für Tetrapodenfährten allgemein dargelegt. Ihr besonderer Status liegt in der engen Relation zur osteologischen Klassifikation der Tetrapoden. Das bestimmt die Rangfolge der Merkmale, die Interpretation, die taxonomische Eignung des untersuchten Materials und seine Faziesrelevanz. Fragmente von Eindrücken, unvollständige Fährtenfolgen sowie sonstige überlieferungsbedingte Veränderungen der optimalen Eindruckmorphologie und des Fährtenmusters haben taxonomisch nur eingeschränkte Bedeutung. Es handelt sich um extramorphologische Erscheinungen, die vielfach faziestypisch bzw. sedimentologisch kontrolliert sind und im Vergleich zu der Fußmorphologie des Erzeugers Phantomen, d.h. Trugbildern, gleichkommen. Taxa nach solchen Überlieferungen werden als Phantom-Taxa bezeichnet. Es ist zu zeigen, daß derartige Problematika einen erheblichen Anteil an den bisher beschriebenen permischen Fährten haben. Durch ihre Mehrdeutigkeit sind sie die Ursache für erhebliche Widersprüche in der Nomenklatur, bei der Interpretation und in der stratigraphischen Bewertung permischer Ichnofaunen. Auf einige Ichnotaxa werden diese Erkenntnisse exemplarisch angewendet. Es resultieren Hinweise auf eine relativ begrenzte Zahl von Ichnogenera der Tetrapoden im Perm, welche mit großer Verbreitung in lithologisch ähnlichen Ablagerungen in Nordamerika und Europa bekannt sind und weithin identische Ichnofaunen belegen. Klar abgrenzbar sind in fluviatiler Fazies die Ichnogenera Batrachichnus (=Anthichnium), Dromopus, Amphisauropus, Limnopus und Dimetropus, denen Chelichnus (=Laoporus) als faziestypisch deformiertes Phantom-Taxon gegenübersteht. Der Nachweis dieser Ichnotaxa der Tetrapoden im kontinentalen Perm belegt in den jeweiligen zeitlich und faziell charakterisierten Abschnitten eine relativ konforme permische Welt. Bedingt durch subjektive taxonomische Differenzierungen erschien diese Welt bislang uneinheitlicher und sehr viel diverser, als sie es in
Realität war.

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Veröffentlicht

08.02.2024

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