Spinnentiere (Arachnida: Opiliones, Araneae, Pseudoscorpiones) auf Weinbergen und Brachen an Saale und Unstrut (Burgenlandkreis, Sachsen-Anhalt) in den Jahren 1998-2003

  • Michael Unruh
  • Torsten Pietsch
  • Sebastian Görn Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart
Schlagworte: Faunistische Untersuchungen, Naturschutzmaßnahmen in trockenen und halbtrockenen Habitaten;, Weinberge;, Phänologie;, statistische Auswertung

Abstract

Zwischen 1998 und 2003 wurden in der Weinbauregion im Saale-Unstrut-Gebiet im Süden Sachsen-Anhalts zwei Hauptlebensräume dieser Landschaft, in Weinbergsbrachen und Weinbergen mit differenzierten Nutzungsgradienten, die epigäische Arthropodenfauna untersucht; der Beitrag konzentriert sich auf die Spinnen- und Weberknechtarten, Beifänge von sechs Pseudoskorpionarten werden tabellarisch berücksichtigt.

58 Rebflächen und 20 Standorte in den Weinbergsbrachen wurden in einem zeitlich gestaffelten Untersuchungsdesign mittels Barberfallentransekten beprobt. 290 nachgewiesene Spinnenarten entsprechen 40 % der Spinnenfauna Sachsen-Anhalts, 21 Weberknechte 66 % der Landesfauna. Nach den Schutzkategorien der Roten Listen D/ST gehören 21 % der Spinnen und 50 % der Weberknechte in eine Gefährdungskategorie. Sowohl deskriptiv-naturschutzfachlich wie auch statistisch abgesichert, haben die offenen, von überdurchschnittlicher Insolation, niedrigem Nährstoffgehalt, gepuffertem pH-Wert und hohem Strukturanteil geprägten Biotope sehr hohe protektive Bedeutung, umso mehr, als diese Lebensräume in Bezug auf Komplexität und Ressourcenangebot im Land einzigartig sind. Für Weberknechte gilt ebenfalls eine hohe Abhängigkeit von Nutzungsgradient und den genannten Umweltfaktoren, allerdings mit umgekehrtem Vorzeichen: schattige, über ein ausgeglichenes Mikroklima und hohe Durchschnittstemperaturen gekennzeichnete Standorte sind vor allem für die spezialisierten Faden- und Brettkanker von überragender Bedeutung. Die Bewirtschaftung der Weinberge wird von den wechselnden Abundanzen euyöker und eurytoper Spinnenarten widergespiegelt. Das UG zwischen Saale und Unstrut ist als biologischer Korridor zwischen den Mittelgebirgen und dem strukturarmen Flachland bedeutungsvoll für die Migration der Spinnentiere. Prioritär für den Schutz seltener Arten innerhalb der Arachnozönose ist die Pflege der Offenlandbereiche.

Veröffentlicht
2020-09-07