Stratigraphische Profilaufnahme des Grüna-Tuffs und eines Äquivalents des Zwickauer Niederplanitz-Horizonts in 09337 Hohenstein-Ernstthal

  • Heike Grieswald

Abstract

In der Ortschaft Hohenstein-Ernstthal OT Ernstthal wird an der Pölitzstraße ein neues Baugebiet erschlossen. Bei der Freilegung der Baugruben konnten mehrere Baugrubenwände stratigraphisch aufgenommen werden. Sie beinhalteten die Schichtenfolgen von der im westsächsischen Raum bekannten Härtensdorf-Formation und der darauffolgenden Planitz-Formation des durch Sedimente und Vulkanite gekennzeichneten Rotliegenden. Es wurden fluviatile Sedimente, Schlammstromsedimente, Aschenfallablagerungen sowie der fossilführende Grüna-Tuff in mannigfaltiger Ausbildung angetroffen. Kaolinisierte Lapilliflatschen wiesen eine starke Ähnlichkeit mit dem Unkersdorf-Tuff aus dem Döhlener Becken auf. Die Schichten mit den Lapilliflatschen konnten als Pisolith-Tuff definiert werden. Inmitten des Grünatuffs trat zudem eine pyroklastische Sequenz mit zur Basis und zum Top kaolinisierten Bereichen auf. In dieser Sequenz konnten gelängte Kiese eines dem Rochlitz-Ignimbrit ähnlichen Gesteins in Längserstreckung festgestellt werden.
Im benachbarten, nordwestlich gelegenen Fuchsgrund wurden Achate und Bruchstücke des Rochlitz-Ignimbrits angetroffen. Aufgrund der heterogenen Ausbildung des Tuffs und der zwischengeschalteten pyroklastischen Sequenz wird eine Eruptionsspalte nahe des Fuchsgrundes postuliert, die zumindest zeitweise für die phreatomagmatische Produktion der angetroffenen Schichten verantwortlich war. Erosiv auf dem Grüna-Tuff auflagernd konnte ein feinlaminierter grauer Hornstein erkundet werden, der z.T. jahreszeitlich abgelagert erschien (Warvenschichtung). Dieser Hornstein war von dünnen Schichten eines gelben Sandsteins und eines rotbraunen Schluffsteins unterlagert. Lagenweise wurden gerundete dunkelgraue bis schwarze Gerölle in Grobsand- bis Feinkiesgröße festgestellt, die optisch teilweise den berühmten Madensteinen ähneln. Ihre Verbreitung war auf den oberen Bereich des bis zu 15 cm mächtigen Hornsteins begrenzt. Zudem wurde ein einzelner gerundeter Klast mit Einsink- bzw. Eindrückstruktur angetroffen. Über dem Hornstein konnte eine dünne Lage eines gelben Sandsteins festgestellt werden, der sowohl kohlige Partien als auch Reste von Calamites in Feinkiesgröße enthielt. Im Allgemeinen konnte die Abfolge des Hornsteins inklusive der gelben Sandsteinlagen als Äquivalent
des Zwickauer Niederplanitz-Horizontes festgestellt werden. In der geologischen Vergangenheit muss es eine tektonisch bedingte Bruchschollenbewegung gegeben haben. Die gesamte Schichtenfolge des Niederplanitz-Horizonts fiel Richtung Ostnordost ein und deutete auf den westlichen Rand einer geneigten Beckenstruktur, die sowohl Playasedimente als auch Vulkanoklastika und fluviatile Sedimente des Rotliegenden beinhaltete. Im Großen und Ganzen konnten die Schichtenfolgen der Erzgebirge-Senke nachvollzogen werden. Zudem wurde mit dem neu erkundeten Niederplanitz-Horizont
in Hohenstein-Ernstthal ein Bindeglied zu den Schichtenfolgen in Zwickau/ Niederplanitz hergestellt.

Veröffentlicht
2018-08-15
Rubrik
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