Geschichtsbewusstsein im Grundschulalter: eine empirische Studie

Autor/innen

  • Monika Pape

Abstract

Die nachfolgend vorgestellte Studie wurde in den Jahren 1999/2000 im Rahmen eines Dissertationsprojektes (Pape 2008) an zwei niedersächsischen Grundschulen durchgeführt. Ihr Ziel ist es, einen Beitrag zur empirisch-psychologischen Erforschung der Ausprägung der Sinnbildungsleistungen von Kindern zu Geschichte zu leisten, die in Deutschland bislang nur marginalen Stellenwert hat.
Gegenstand der Erhebung waren verschiedene Komponenten historischen Bewusstseins wie Zeit-, Wirklichkeits- und Historizitätsbewusstsein, zudem gibt sie Einblicke u.a. in die kindlichen Wissensinhalte, historischen Interessen, sprachlichen und kognitiven Kompetenzen sowie die Verknüpfungsleistungen zwischen den Zeitdimensionen „Vergangenheit“, „Gegenwart“ und „Zukunft“ als Kern von Geschichtsbewusstsein. Beteiligt waren 193 GrundschülerInnen aus jeweils zwei Klassen der Jahrgangsstufen eins bis vier. Vor dem Hintergrund der qualitativen Forschungsmethodologie der Grounded Theory lag der methodische Schwerpunkt dabei auf dem kindgemäßen Verfahren der Gruppendiskussion. Es wurden außerdem Zeichenaufgaben, schriftliche und mündliche Befragungen sowie teilnehmende Beobachtungen zur Datenerfassung eingesetzt.
Im Ergebnis belegt die Studie vor allem, dass schon ErstklässlerInnen in Ansätzen und ViertklässlerInnen ein Geschichtsbewusstsein in elaborierter Form erkennen lassen, sie ein relativ großes Interesse an verschiedenen historischen Themen zeigen, unterschiedlichste Quellen des Wissenserwerbs nutzen, aber auch emotional involviert sind. Dieses rechtfertigt die Forderung, dem „historischen Lernen“ im Sachunterricht mehr Raum zu geben und das Spektrum an unterrichtspraktischen Möglichkeiten in qualitativer und quantitativer Hinsicht vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Forderungen den Bedürfnissen und Kompetenzen der SchülerInnen anzupassen.

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Veröffentlicht

29.06.2022