Die Gegenstandskonstitution im kulturellen Kontext. Kulturwissenschaftliche Analysen der „Sachen des Sachunterrichts“
Abstract
Anknüpfend an die Anmerkungen zur Gegenstandskonstitution von Marcus Rauterberg und Gerold Scholz „Die Welt im Bild“ (Rauterberg & Scholz 2003), möchte ich im Folgenden erörtern, was es heißt, Gegenstände des Sachunterrichts weder realistisch noch nominalistisch (dementsprechend auch nicht idealistisch bzw. sensualistisch oder positivistisch) als gegeben vorauszusetzen, vielmehr (erkenntnis-)kritisch die Bildung dieser Vorstellungen zu Gegenständen der Erfahrung als das entscheidende bildungstheoretische Problem zu sehen. Damit soll die kantisch-neuzeitliche Sichtweise auch als Bedingung einer Rahmentheorie für die Genese und Etablierung von Unterrichtsgegenständen thematisiert werden.
Diese konzeptuelle Arbeit scheint mir nicht nur produktiv, sondern auch notwendig, weil das Bewusstsein für die genetische Struktur der Gegenstandskonstitution die Geschichtlichkeit der schulpädagogischen und didaktischen Forschung in den Vordergrund stellt. Sie trägt also sowohl zu einer exakten Formulierung des Forschungsfeldes als auch zur Eröffnung von Alternativen bei. Dem gegenüber setzt der postulierte Wechsel der Präferenz innerhalb der Bildungsforschung zu einer empirisch ausgerichteten Wirksamkeitsforschung eine perfekte Gegenstandskonstitution voraus, da nur in einem geschlossenen System die Variablen Input und Output soweit kontrollierbar sind, dass Einflussfaktoren und Kriterien der Effizienzsteigerung untersucht werden können. Dies würde aber entweder das kulturelle Feld aus der Forschung ausklammern oder die Kulturgenese zum Stillstand bringen, insofern nur noch Bildungsprozesse ermöglicht werden, welche den Status quo bestärken, jedoch keine projektiven Entwürfe entstehen, welche auf gesellschaftlich-kulturelle Entwicklungen mit neuen handlungsleitenden Ideen und Vorstellungen antworten.
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