Mobilitätsbildung im Sachunterricht: Ein Plädoyer für konsequente Vielperspektivität statt konzeptioneller Verengung – im Widerstreit mit Niermann & Böse (2025)

Autor/innen

  • Jurik Stiller

Abstract

Mit ihrem sehr anregenden Beitrag „Verkehrserziehung – Mobilitätsbildung – Verkehrsbildung?! Wie viel-Perspektivität braucht Mobilitätsbildung im Sachunterricht?" zielen Anne Niermann und Sarah Böse (2025) auf begriffliche Klärung in einem terminologisch umkämpften Feld. Die Autor*innen beschreiben die Genese der Mobilitätsbildung als Weiterentwicklung der Verkehrserziehung und bewerten insbesondere die Abkehr vom Erziehungs- hin zum Bildungsbegriff sowie die inhaltliche Öffnung des Mobilitätsbegriffs gegenüber dem enger gefassten Verkehrsbegriff positiv. Gleichzeitig diagnostizieren sie eine „Inflation" des Mobilitätsbegriffs, warnen vor einem „Containerbegriff“ (mit Verweis auf Weiß 2017) und plädieren für eine konzeptionelle Schließung, um Überfrachtung und Beliebigkeit zu vermeiden (ebd., S. 4ff.). In ihrem abschließenden Plädoyer schlagen sie durch „Re-Fokussierung auf zentrale Inhaltsbereiche bei gleichzeitiger bildungstheoretischer Fundierung“ (ebd., S. 7) Verkehrsbildung als Alternativ-Konzeption zu Mobilitätsbildung vor. Während mit Niermann und Böse Einigkeit hinsichtlich der Weiterentwicklung Richtung einer weiteren sogenannten Bindestrichbildung besteht, also der Überwindung (nur) auf Erziehung fokussierter Ansätze des Umgangs mit Fragen von Verkehr/Mobilität, verfehlt jedoch die Begrifflichkeit der Verkehrsbildung klar das emanzipatorische und bildungstheoretische Potenzial einer zeitgemäßen Mobilitätsbildung. Die von den Autorinnen problematisierte Vielperspektivität ist nicht Ballast, sondern konstitutives Prinzip eines Sachunterrichts, der seinem Bildungsauftrag gerecht werden will. Im Folgenden befrage ich zentrale Argumentationslinien kritisch und mache alternative Perspektiven stark, die sich aus sachunterrichtsdidaktischen Traditionen, (einer anderen Lesart der) einschlägigen Überlegungen etwa von Philipp Spitta (z.B. 2005), Arbeiten der fachwissenschaftlichen Bezugsdisziplinen wie der integrierten Verkehrsplanung und etwa dem Berliner Modell zur Mobilitätsbildung (Stiller et al. 2023) ergeben. Dabei komme ich zu dem Schluss, dass die begriffliche Konsolidierung hin zu Mobilitätsbildung eine in vielerlei Hinsicht vorteilhafte Lösung für diverse Dilemmata darstellt.

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Veröffentlicht

19.03.2026